Es handelt sich hierbei um die schriftliche Fassung des Beitrages von Rainer Schimmimg zur 24-Stundenvorlesung an der Universität Greifswald am 13. Januar 2007.
Albert Einstein (1879-1955) war ein genialer Denker und steht wie kein anderer für die Physik des 20. Jahrhunderts. Er wurde gar zur Pop-Ikone, steht nun in einer Reihe mit Marylin Monroe, Che Guevara,… Person und Werk wurden vielfach unter allen möglichen Aspekten behandelt. Im Einstein-Jahr 2005 (100 Jahre nach dem annus mirabilis 1905) hatten entsprechende Vorträge und Artikel Konjunktur. Ein Thema aber scheint da gefehlt zu haben: “Der unterhaltsame Einstein”. Gemeint sind Anekdoten, Aphorismen, humorvolle Sentenzen, Witze … von oder über Einstein. Eine Anekdote erzählt pointiert eine Begebenheit. Die kann so passiert sein oder nicht – Hauptsache es wird Typisches der vorkommenden Person und Situation getroffen.
- Als dem kleinen Albert erstmalig seine neugeborene Schwester Maja gezeigt wurde, fragte er enttäuscht: “Wo sind denn da die Rädchen.” (Aus Andeutungen der Erwachsenen hatte Albert geschlossen, dass es ein mechanisches Spielzeug geben würde.)
- Ein grosser Sprung zum schlagartig berühmt gewordenen Einstein: Die Sonnenfinsternis-Expedition von 1919 hatte seine Theorie bestätigt. Nach einem öffentlichen Vortrag fragte ihn eine Studentin: “Was hätten Sie gemacht, wenn Ihre Vorhersage nicht zuträfe?” Antwort: “Da täte mir halt der liebe Gott leid; die Theorie stimmt doch.”
- Beim Besuch eines Mädchenpensionats in Genf, Teil eines offiziellen Programms, versuchten Schülerinnen hinterrücks, dem berühmten Einstein eine Locke als Souvenir abzuschneiden.
- Aufgrund politischer Entwicklungen unterstützte Einstein die zionistische Bewegung. Einer ihrer Führer, Chaim Weizmann, erzählt 1929: “Auf der Überfahrt nach New York erklärte mir Einstein täglich seine Theorie. Als wir ankamen, war ich überzeugt, dass er sie verstanden hat.”
- Albert Einstein und Charlie Chaplin korrespondierten miteinander. A.E. an C.C.: “Sie werden mit Recht bewundert; jeder versteht Ihre Kunst.” C.C. an A.E.: “Sie werden noch viel mehr bewundert, weil keiner Sie versteht.”
- Einsteins populäre Erklärung der Relativität der Zeit an aufdringliche Reporter: “Eine Stunde mit einem hübschen Mädchen vergeht wie eine Minute. Aber eine Minute auf einem heissen Ofen erscheint wie eine Stunde.”
- Der ältere Einstein erhielt viel Post; nur einen Bruchteil konnte er beantworten. Aber für Kinder nahm er sich Zeit. Ein Schulmädchen schrieb ihm über ihre Schwierigkeiten in Mathematik. Antwort: “Mach Dir nichts draus. Meine Schwierigkeiten dort sind noch größer.” Ein anderes Schulmädchen schrieb: “Lieber Herr Einstein, Sie sollten zum Friseur gehen. Dann würden Sie besser aussehen.”
- Albert Einstein erschien häufig ohne Socken. Seine Begründung: “Der grosse Zeh bohrt oft ein Loch. Wozu also Socken tragen?”
- Hans Eissler, am Klavier, und Albert Einstein, mit der Geige, wollten zusammen in Princeton Hausmusik machen. Es klappte nicht recht mit dem Takt. H.E. an A.E.: “Herr Professor, Sie werden doch wohl noch bis drei zählen können.”
- Albert Einsteins zweite Frau Elsa war sehr kurzsichtig geworden. Bei einem Gala-Diner in Amerika wurde sie im letzten Moment daran gehindert, eine Orchidee aus der Dekoration zu verspeisen.
- Im Begleitprogramm für Damen zu einem Kongress wurde stolz ein neues Forschungszentrum gezeigt: “Mit diesen grossen Geräten enträtseln wir Geheimnisse des Universums.” Elsa Einstein darauf. “Dazu braucht mein Mann nur Schreibzeug und alte Briefumschläge.”
- Einstein beauftragte seine Sekretärin, den Einsendern unerwünschter Manuskripte folgende Standard-Antwort mitzuteilen: “Professor Einstein bittet Sie, bezüglich Ihres Papers so zu verfahren, als ob er schon tot wäre.”
- Albert Einstein wurde 1952 offiziell gefragt, ob er Präsident des Staates Israel werden würde. Minister Ben Gurion an seinen Sekretär: “Was machen wir bloss, wenn Einstein annimmt?” (Er nahm nicht an, entschuldigte sich höflich. Ben Gurion wurde Präsident.)
- Der Physiker Wolfgang Pauli war höchst genial und zugleich höchst arrogant. Als Student kommentierte er einen Vortrag des 20 Jahre älteren Albert Einstein: “Was er da sagt, ist garnicht so dumm.”
- Arthur Stanley Eddington war in den 20-er und 30-er Jahren Englands “Papst” für Kosmologie und Astrophysik. Frage eines Reporters an A.S.E.: “Stimmt es, dass nur drei Menschen auf der Welt die Relativitätstheorie verstehen?” Rückfrage: “Wer ist der Dritte?”
Ob ein Ausspruch gut ist, entscheidet die Nachwelt indem sie ihn benutzt oder nicht. In dem Sinne sind die folgenden Aussprüche Einsteins gut, obwohl sie ein bisschen böse sind.
- “Ich habe zwei Kriege, zwei Ehefrauen und Hitler überlebt.”
- “Der Mensch denkt und Gott lenkt. Manchmal übernimmt aber das Amt des Teufels Grossmutter.”
- “Die einzige vernünftige Erziehung ist die durch das Vorbild. Wenn es sein muss, durch ein abschreckendes.”
- “Das Universum und die menschliche Dummheit sind unendlich. Beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.”
- “Die Vorurteile, die sich bis zum Erwachsenwerden ansammeln, nennt man gesunden Menschenverstand.”
- “Universitäten sind Misthaufen, auf denen gelegentlich mal eine schöne Pflanze gedeiht.”
- “Keine Maus hat je eine Mausefalle erfunden. Der Mensch aber erfand die Atombombe.”
- “Ich weiss nicht, wie der Dritte Weltkrieg geführt wird. Wohl aber, wie im Vierten gekämpft wird: Mit Stöcken und Steinen.”
Die folgenden Sprüche des selbigen Autors verdienen das Prädikat “Geflügelte Worte”. Man kann sie einrahmen und an die Wand hängen.
- “Ein Atomkern ist leichter zu zertrümmern als ein Vorurteil.”
- “Die schlechten Erfahrungen müssen immer wieder aufs Neue gemacht werden.”
- “Was nichts kostet, ist nichts wert.”
- “Fahre nicht schneller, als dein Schutzengel fliegen kann.”
Zu unserem Thema gibt es ein Buch:
- I. Tüngler: Wozu Socken? Sie schaffen nur Löcher. Anekdoten über Einstein. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2005.
Eine Fundgrube ist auch die folgende Zitaten-Sammlung:
- A. Calaprice (Herausg.): Einstein sagt. Piper, München 2004.
Ausführlicher zu Wort kommt Einstein in den folgenden beiden autobiografischen Schriften, auf die alle Biografen zurückgreifen:
- A. Einstein (Herausg. von C. Seelig): Mein Weltbild. Ullstein, Frankfurt 1955.
- A. Einstein: Aus meinen späteren Jahren. Dt. Verlagsanstalt, Stuttgart 1984.
Als Zugabe ein Einstein-Witz, den aber nur Kenner verstehen: Nachdem
Einstein gestorben ist, kommt er in den Himmel. Er trifft Gott und bittet
ihn, endlich das Geheimnis der Theorie für alles zu lüften. Gott holt sich
Tafel und Kreide und schreibt, reiht wortlos Formelreihen aneinander.
Einstein wird immer unruhiger und kann schliesslich nicht an sich halten:
“Aber da sind ja lauter Fehler drin!” “Ich weiss,” sagt Gott.

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